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Buchhandlung Neugebauer

Rezensionen

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BECOMING
von Michelle Obama
Absolut gelungene Autobiografie und ein tolles Hörbuch! 20. Januar 2019
Michelle Obama dürfte jedem bekannt sein als Gattin des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama. In ihrer Autobiografie „Becoming“ hat sie nun all ihre Erlebnisse, angefangen mit ihrer Kindheit zusammengetragen und gibt damit teils äußerst private Einblicke preis und zeigt sich von ihrer bis dato eher unbekannten Seite.
Das Hörbuch, erschienen im Hörverlag und 18 Stunden 41 Minuten umfassend, ist dabei sehr gut eingelesen und lässt sich durchweg sehr gut mithören. Die Lesestimme ist eingängig und gut verständlich.
Zum Inhalt des Buches lässt sich meinerseits sagen, dass ich die Schilderungen und Episoden größtenteils hochinteressant und packend fand. Die Kapitel widmen sich chronologisch verschiedenen Grundthemen aus Michelle Obamas Leben und beinhalten auch die ein oder andere Offenlegung ganz eigener Ansichten und Bewertungen. Sicherlich ist es nicht verwunderlich, dass Michelle Obama schon immer eine vermeintlich starke und moderne Frau war. Es wird durch die vielfältigen Darstellungen allerdings auch recht schnell klar, dass sie eine recht privilegierte Kindheit genoss, auch wenn die räumlichen Begebenheiten der Familie vielleicht als beengt bezeichnet werden konnten und zunächst auch nicht die Rede von „materiellem Reichtum“ war. Dennoch hatte Michelle Obama gute Voraussetzungen für ihren persönlichen Werdegang. Vieles davon ist beeindruckend, manches in späteren Kapiteln auch überraschend interessant und beinahe schon spannend. Man darf ein wenig hinter die Kulissen der amerikanischen Politik blicken, sieht die Ehefrau des Ex-Präsidenten hier aber auch sehr verletzlich, unverstellt und offen. Michelle Obama spricht recht unverblümt und gibt neben einigen politischem Statements auch ihre ganz persönlichen Lebensweisheiten preis.
Das Buch, bzw. Hörbuch ist meines Erachtens absolut empfehlenswert und ich würde es trotz weniger Längen mit vollen 5 Sternen bewerten – ganz einfach weil ich der Sprecherin die meiste Zeit über gebannt gelauscht habe und ich großen Respekt für Michelle Obama empfinde. Hut ab für diese beeindruckende Autobiografie!

Wir träumten vom Fliegen
von Leah Maschek
Die Lebenstraumreise 20. Januar 2019
Eine traumhaft schöne Geschichte erzählt Leah Maschek und lädt damit zum Mitträumen ein. Schon als Kinder waren Otto und Gustav Lilienthal vom Fliegen fasziniert. Sie träumten davon, selbst einmal wie die Vögel durch die Lüfte zu schweben und versuchten schon als Kinder, diesen Traum wahr werden zu lassen. Vor allem die Störche nahmen sie als Vorbild und konstruierten die ersten Flügel. Ständig belächelt von Herrn Theodor, dem Tischler, der Ratschläge geben wollte und nicht an den Erfolg glaubte.
Es dauerte noch viele Jahre, bis es Otto Lilienthal tatsächlich gelungen ist zu fliegen.
"Der Traum vom Fliegen" verbindet Realität und Fiktion zu einer berührenden gefühlvollen Geschichte und begleitet nicht nur Otto bis zu seinem Tod, sondern auch Gustav, der sich wünscht, seinen eigenen Traum vom Fliegen zu verwirklichen.
Das kleine Buch habe ich ganz in Ruhe gelesen und dabei die Stille genossen, um einfach Ottos und Gustavs Traumreise zu begleiten.
Die Illustrationen der Autorin haben noch das ihre dazu getan, das Buch zu einem kleinen Schatz werden zu lassen.

Reinkarnation
von Johannes Wilhelm
Die Neuoffenbarungen zum Thema Reinkarnation 20. Januar 2019
In diesem Buch werden die Texte von Neuoffenbarungen zum Thema Reinkarnation gut präsentiert und zusammengestellt. Im Gegensatz zur kirchlichen Lehre wird klar bezeugt, dass eine moderate Reinkarnationslehre mit dem christlichen Glauben vereinbar ist.

Miep & Moppe
von Stine Oliver
Plötzlich Prinzessin? Nein, plötzlich Eichhörnchen! 20. Januar 2019
Sommerzeit - Ferienzeit! Und ausgerechnet dieses Jahr muss die 13-jährige Miep den Sommer bei ihrer Oma auf dem Land verbringen, statt in Hamburg mit TV und Skateboard abzuhängen.
Öde! Bis sie ein Kaninchen schräg von der Seite anquatscht. Moment - ein Kaninchen? Und wo kommt plötzlich dieser Puschelschwanz her?! Warum ist Miep auf einmal ein Eichhörnchen statt einer Superheldin? Und wer ist Holla, die Waldfee?
Ein unterhaltsames Sommerabenteuer mit dem Teenager Miep, welche die Fähigkeit des Gestaltwandelns geerbt hat und Freundschaft mit dem mutigen Zwergkaninchen Moppe schließt. Dabei verhält sie Miep typisch Teenager-like und macht es Moppe nicht immer einfach. Mehr über ihre geheimnisvolle Fähigkeit wissen Mieps Oma und so ein komischer Kauz im Wald, der mit Vorliebe Plattdeutsch redet. Aber mal ehrlich: Die haben doch nicht alle Möhrchen im Beet, oder?
Das Buch beginnt ganz lustig, wie Miep sich unfreiwillig in ein Eichhörnchen verwandelt und dabei auf Zwergkaninchen Moppe trifft. Anfangs genießen die beiden ihre frische Freundschaft, tanzen zu Rockmusik, schauen Filme und lesen gemeinsam Bücher - was Freunde halt so machen. Als Miep jedoch mehr über ihre Fähigkeit erfährt, wird ihr das alles zuviel und lässt es leider an Moppe aus, der die Welt nicht mehr versteht. Dabei ist das Kaninchen mit dem süßen Sprachfehler wirklich zum Knuddeln lieb. Aber was wären echte Freunde, wenn nicht doch wieder beide zueinander finden?
Mir hat die Idee mit dem Abenteuer der beiden gut gefallen. Weniger gefiel mir Mieps launisches Verhalten zwischendurch Moppe gegenüber, da hing dann auch das Abenteuer der beiden zu sehr in der Luft. Als unterhaltsames Extra haben Miep und Moppe hinten im Buch eine Liste mit besonderen sowie plattdeutschen Begriffen angehängt. Geschrieben ist das Buch abwechselnd aus Mieps und Moppes Sicht, über jedem Kapitel zeigt ein Bild von Miep oder Moppe an, wer grad erzählt. Schade fand ich, dass Moppe als Wald- und Wiesentier die Unterschiede zwischen Hase und Kaninchen ignorierte, hier wär die Chance gewesen, einem Stadtkind den Unterschied zwischen beiden Tieren zu erklären.
Ein unterhaltsames und lustiges Buch für Kinder ebenso wie für Erwachsene. Ich hoffe, die beiden werden noch weitere Abenteuer erleben.

Ich bringe dir die Nacht
von Catherine Ryan Howard
Die Vergangenheit lässt sich nicht abschütteln 20. Januar 2019
Ich entdecke gerne neue Autoren und so habe ich freudig zugegriffen als mir vom Rowohl-Verlag „Ich bringe dir die Nacht“ zur Rezension angeboten wurde.

Alison ist vor 10 Jahren von Irland nach Holland gezogen. Sie wollte ihre Vergangenheit als Freundin eines Serienmörders hinter sich lassen. Doch ihre Vergangenheit holt sie ein, als in Dublin wieder ähnliche Verbrechen geschehen. Der damalige Mörder sitzt aber noch hinter Gittern, möchte nun jedoch Alison von seiner Unschuld überzeugen. Ein rasantes Abenteuer beginnt.

Der Einstieg ins Buch ist mir ein wenig schwer gefallen. Ich brauchte ein paar Seiten, um zwischen Dublin und Holland einzusteigen und herauszufinden, wo die Handlung nun wirklich spielt. Aber dann war ich schnell gefangen. Alisons erster Besuch im Gefängnis bei Will hat mich berührt. Irgendwie nahm man ihm den Serienmörder nicht ab. Aber alle haben ihre Geheimnisse und die Autorin versteht es glänzend, diese bis kurz vor das Ende des Buches zu bewahren.
Die Handlung spielt auf zwei Ebenen: Alison damals und Alison heute. Wie Alison aufs College kommt, zusammen mit ihrer besten Freundin Liz, wie sie Will kennen lernt und wie eifersüchtig Liz auf diese Beziehung ist. Und Alison heute: die Zweifel, die an ihr nagen, ob Will wirklich der Täter ist und ob sie an seiner Verhaftung Schuld hat.
Das Buch lädt ein zum Spekulieren. Ich hatte die wildesten Verdachte, nur um hinterher feststellen zu müssen, dass ich weit gefehlt habe. Und ganz am Ende hat die Autorin, deren Schreibstil ich sehr gern mochte, dann doch noch ein kleines Schmankerl für den Leser.
Fazit: Das Buch hat mich gefesselt, wenn es im Mittelteil auch etwas langgezogen wirkte, aber die Handlung und die Charaktere konnten überzeugen und waren gut ausgearbeitet. Ich würde gerne mehr von der Autorin lesen.

Pfützenwelten
von Marie Grünberg
Per Pfütze durch die Galaxis 20. Januar 2019
Pfützen üben eine für sie eigene Faszination aus: Man möchte in sie hinein springen, sie vorsichtig umrunden oder die Welt in ihnen wie in einem Spiegel betrachten. Doch manchmal zeigen die Pfützen eine andere, fremde Welt - und eh man sich versieht, ist man Teil von ihnen.
Der Protagonist dieser Kurzgeschichte ist ein Reisender zwischen den Pfützenwelten, wechselt durch Zeit und Raum und hinterlässt uns Berichte über harmlose, gefährliche und skurrile Welten. Eine gelungene und unterhaltsame Erzählung, bei der man als Leser den Pfützenreisenden eine Weile auf seinem Abenteuer begleitet.
Das kleine Haus in den Cotswolds 20. Januar 2019
von LEXI
Die hübsche Geschäftsleiterin Elizabeth Thurlow-Browne aus London trifft eine spontane romantische Entscheidung: sie ersteigert bei einer Auktion ein Cottage. Beth kündigt ihren gut bezahlten Job und macht sich mit ihrem Sohn Leo auf den Weg nach Dumbleford. Der Blick über eine Dorfwiese auf eine paradiesisch anmutende Landschaft im Herzen der Cotswolds kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass es sich bei Willow Cottage um eine baufällige Ruine handelt. Doch Beth lässt sich weder von den spleenigen Einwohnern des Ortes, noch vom Zustand ihres neu erworbenen Häuschens entmutigen. Sie findet Mittel und Wege, ihre Neuerwerbung zu renovieren, und schließt ganz nebenbei auch noch Freundschaften. In Jack Selby trifft sie auf einen attraktiven und hilfsbereiten Mann, der nicht nur großes handwerkliches Geschick besitzt, sondern sich darüber hinaus auch auf Renovierungen versteht. Doch bevor Beth bereit ist, neu anzufangen, muss sie zunächst die Schatten ihrer Vergangenheit hinter sich lassen.

Bella Osborne erzählt in ihrem Roman „Neues Glück in Willow Cottage“ von einer jungen Frau, die aus ihrer Beziehung zu einem dominanten und kontrollsüchtigen Mann ausbricht. In einfühlsamen Worten und mit ihrer wunderschönen und bildhaften Sprache gelang es der Autorin, mich vom ersten Augenblick an für diese Geschichte zu begeistern. Man kommt im Verlauf dieser Lektüre nicht umhin, sich in die beeindruckende Landschaft der Cotswolds und deren liebenswerten Bewohner zu verlieben. Der einnehmende Schreibstil wird darüber hinaus durch eine gehörige Portion Humor aufgewertet, und durch die Aktivitäten des hasserfüllten Antagonisten Nick entsteht ein gewisser Spannungsbogen. Da auch die Romantik nicht zu kurz kommt, wurde diese Lektüre zu einem richtigen Pageturner.

Die Figuren dieses Buches empfand ich als höchst authentisch dargestellt. Sowohl den beiden Protagonisten Jack und Beth, als auch sämtlichen Nebenfiguren, wurde große Aufmerksamkeit zuteil. Ihre liebevolle Zeichnung ließ mir die Bewohner von Dumbleford binnen kürzester Zeit ans Herz wachsen. Ich amüsierte mich über die schrullige Shirley mit dem eigenartigen Trolley, die im Verlauf der Seiten einige Überraschungen für mich bereithielt. Doch nicht nur der spleenigen alten Dame, sondern auch dem alten Ernie, der seinen Platz unter der knorrigen Weide vor Willow Cottage derart resolut behauptet, flog mein Herz in Windeseile zu. Beths Freundin Carly Wilson brachte mich mit ihrer schrägen und quirligen Art oftmals zum Schmunzeln. Carlys Lebensgefährte Fergus war jedoch mit Abstand jene Figur, die ich am meisten unterschätzt hatte. Der große, schlaksige Mann, der sein Geld mit Computerspielen verdient, stets in eigenartigen Jogginghosen und T-Shirts herumläuft und ein großer Kindskopf zu sein scheint, avancierte im Verlauf der Handlung zu meinem liebsten Nebendarsteller. Zu meinem großen Vergnügen mangelt es diesem Buch auch nicht an tierischen Protagonisten – Shirleys taube Katze „Mittens“ und Jacks Mastiff „Doris“ sind ein Garant für eine Menge Humor und Turbulenzen.

Fazit: Ich empfand diesen bezaubernden Roman als richtiges Lesehighlight. „Neues Glück in Willow Cottage“ ist eine wunderschöne, Herz erwärmende Geschichte mit sympathischen Figuren, Romantik und aufregenden Verwicklungen, gespickt mit einer gehörigen Dosis Humor. Das Buch hat mir ausgezeichnet gefallen!

Actionreiche Fortsetzung! 19. Januar 2019
Die rasante Story um Lizzy und ihre Freunde knüpft direkt an den Vorgängerband an, kann jedoch separat gelesen werden, da es eine in sich geschlossene Geschichte ist. Für mich war es das erste Werk von Autorin Pia Guttenson und ich habe dem Verlauf gut folgen können. Für alle Neueinsteiger ist zudem ein Prolog enthalten, "Was zuvor geschah".

Lizzy und ihre Freundinnen haben sich gut in Schottland eingelebt und genießen ihre gemeinsame Arbeit im Pub. Sie alle sind froh, dass sie ihrem Leben in Deutschland den Rücken kehren konnten. Mrs. T - eine ehemalige Türsteherin, die mit ihren stahlharten Muskeln jedem durchtrainierten Bodybuilder Konkurrenz machen könnte – zieht einen illegalen Boxkampf in Erwägung, denn das Geld ist knapp und die Renovierung des Pubs ist bitter nötig. Ihre kleine Tochter Lucy, die mit dem Down-Syndrom geboren worden ist, hat sich mit ihrer niedlichen Art inzwischen in das Herz von Lizzys Cousin, William, geschlichen. Und auch Mrs. T, die eigentlich so gar nicht sein Typ ist, geht William irgendwie unter die Haut… Lizzy steht nach dem auf sie verübten Attentat noch immer unter Schock und Fatma, eine junge Türkin, kann ihr Glück kaum fassen, dass sie der von ihren Eltern eingefädelten Zwangsheirat mit einem Scheich entkommen ist. Keine der drei Frauen ahnt, dass ihre neu gewonnene Freiheit bereits wieder in Gefahr ist: ihre Aufenthaltserlaubnis läuft demnächst ab, Hanno (Lizzys brutaler Exfreund) sinnt im Gefängnis auf Rache und auch Fatmas Eltern sind nicht geneigt, die durch die Flucht ihrer Tochter beschmutzte Familienehre zu akzeptieren…

Dieses Buch katapultiert den Leser schonungslos mitten in die Ereignisse hinein. Zudem wird gerade den Lesern, die den Vorgängerband nicht kennen, anfangs eine höhere Konzentration abverlangt, um die vielen verschiedenen Charaktere richtig zuordnen zu können. Dennoch geht kein Witz dabei verloren und nach kurzer Zeit hat man alles erfasst. Auch gelegentliche Rückblicke der Charaktere sowie das Glossar am Ende des Werkes (Schottisch Gälisch/Deutsch) liefern Hilfestellung. Die Sprache ist sehr nachvollziehbar und umgangssprachlich gehalten und passend zum Milieu gewählt worden – ein etwas rauerer Ton mit teilweise ordentlichen Flüchen. Was die einzelnen zwischenmenschlichen Beziehungen angeht, hätte ich mir etwas mehr Tiefe gewünscht bzw. hin und wieder einen Moment zum Einfach-Nur-Genießen. Durch die nahtlose Aneinanderreihung von Zwischenfällen wurden die feinen Töne, beispielsweise die zarte Annäherung zwischen Fatma und Philipp, etwas stark von Action überschattet. Dementsprechend dynamisch prescht das Tempo voran – langweilig wird es sicher nicht! Ich persönlich wäre gegen Ende nicht traurig über etwas Entschleunigung gewesen und auch der goldige kleine Mops Brutus hätte ruhig öfter vorkommen können – wo er doch so herrlich auf dem farbenfrohen Cover in Szene gesetzt worden ist!

Fazit: Turbulente und unterhaltsame Lektüre über eine chaotische, aber liebenswerte Freundesgruppe. Ich würde empfehlen, den Vorgängerband dennoch zuerst zu lesen; einfach, um einen besseren Bezug zu den einzelnen Charakteren zu haben.

Eiswelt
von Jasper Fforde
Ein abgefahrener Science-Fantasy, der einem die Kälte in die Knochen kriechen lässt und nicht mehr loslässt 19. Januar 2019
In einer Welt, die der unseren gar nicht so unähnlich ist, hat die Eiszeit nie aufgehört. Jedes Jahr versinkt während der Wintermonate alles in Eis, Schnee und Dunkelheit. Selbst die Menschen ziehen sich zurück und halten Winterschlaf – außer die Winterkonsuln. Sie wachen über den Schlaf der Menschen, denn draußen in der Dunkelheit treiben heulende Bestien ihr Unwesen. Hier tritt der junge Charlie seine erste Arbeitsstelle an, und sie entwickelt sich schon bald zu einem Albtraum. Denn wenn Charlie diesen Winter überleben will, muss er wach bleiben. Um jeden Preis … (Klappentext)

❄❄❄❄❄

"Der Feind, das sind weder die Schurken noch Womaden, Aasfresser, Wintersomniasten, Eis-Eremiten,
Megafauna, Nachtwandler, Frostnager oder fleischfressender Kaltschleim -
es ist der Winter.
Um zu überleben, musst du ihn zuallererst respektieren...."
(S. 53)

Stellt Euch vor, die Eiszeit hätte nie geendet. Eis, Schnee und Kälte 365 Tage im Jahr und im Winter fallen die Temperaturen bis zu Minus 50°C. Wenn die Temperaturen nur auf Minus 40°C fallen, spricht man von einem milden Winter. Um diesen Winter zu überstehen muss man sich erstmal ordentlich Fettdepots anfuttern und den Winter dann überschlafen.
Stellt Euch vor alle gehen in dieser Zeit in spezielle Einrichtungen, um zu überwintern....nur Ihr nicht, denn Ihr gehört zu den Wächtern für die Schlafenden. Ihr seid auf Euch gestellt, wach und beginnt doch wie alle anderen zu träumen. Stellt Euch vor die Eiszeit hätte nie geendet.....

"Sie erzählten von wochenlang anhaltenden Blizzards, dicker als Milch,
von in Eis gehüllten Bäumen, die aussahen, als seien sie luftdicht in Glas verpackt.
Von Regen, der gefroren wie tausend Edelsteine vom Himmel fiele und mit dem süßen Klang kleiner Glöckchen auf die Steine prasselte,
von so niedrigen Temperaturen, dass Quecksilber in den Thermometern erstarrte
und die Menschen, die so dumm waren, sich nach draußen zu wagen, binnen Minuten steifgefroren wurden."
(S. 61)

Der Autor hat mit "Eiswelt" einen bizzaren und spannenden Science-Fantasy erschaffen. Eine Welt, die im Hinblick auf unsere eine verkehrte Welt zu sein scheint.
Klimawandel in die entgegengesetzte Richtung, man muss fett sein, um den Winter zu überleben und Winterfell (ausgeprägte Körperbehaarung) ist in und sogar ein Muss. Kinder werden nicht abgetrieben, sondern regelrecht produziert, was für die Gesellschaft eine wichtige Unterstützung bedeutet und je mehr Kinder eine Frau bekommt, umso angesehener ist sie. Man ist legal auf Droge und Träume sind verpönt, da energieraubend. Gleichberechtigung ist Standard und sexistische Machos werden verachtet.

Dieses Kontrakonzept im Hinblick auf unsere Welt hat der Autor auch bei dem ein oder anderen Namen angewandt. So gibt es auch in "Eiswelt" z.B. einen britischen Abenteurer, der einem im TV das Überleben in der Wildnis erklärt. Hier heißt er jedoch nicht Bear Grylls, sondern Gaer Brills und so mancher Name erinnerte mich stark an Monty Python. Es gibt hier z.B. eine Schwester Vulvolia und eine Schwester Placentia.

">>In Jutesäcke eingewickelt und mit Gänseschmalz eingeschmiert mit Minimal-BMI auf Bäumen pennen<<,
schnaubte Lucy bezüglich der Ideen von Gaer Brills.
>>Da wird es den ganzen Winter über Hipster regnen.<<"
(S. 29)

Für Schmunzeln und Lacher wird hier also gesorgt. Dieser Science-Fantasy ist aber nicht nur eine überspitzte Karikatur einer verkehrten Welt, sondern regt auch in gewisser Weise zum Nachdenken an.
Es ist nämlich ebenso eine Klassengesellschaft vorhanden, welche sich jedoch dadurch definiert, dass die einen gut und die anderen schlecht schlafen und die Ersteren dadurch eine höhere Überlebenschance haben. Es gibt Revoluzzer, die diese Gesellschaft und dieses System ablehnen und es gibt Schurken, welche nicht schlafen wollen und die Schlafenden ausrauben.

Gleichzeitig kann man dieses Buch aber auch einfach nur genießen und in eine spannende und fesselnde Story abtauchen, in der man mythischen Wesen und auch Nachtwandlern begegnet. Diese sind den uns bekannten Zombies nicht unähnlich, sind sie doch in gewisser Weise tot und von Hunger getrieben. Trotzdem sind sie ganz anders, denn es sind noch lebende Menschen, denen es beim Überwintern einfach nur paar Gehirnsynapsen zerschossen hat.
Und dann wütet auch noch ein Traumvirus, welches nicht mal vor den Wächtern Halt macht und die Betroffenen in den Wahnsinn treibt.. Wer oder was steckt hinter diesen Träumen und wieso trifft es nur ganz bestimmte Menschen?

Wie Ihr inzwischen sicherlich schon erkennen konntet, gehört dieses Buch zu den etwas komplexeren in diesem Genre. Folglich ist auch eine entsprechende Einführung des Lesers in diese Welt notwendig. Man darf sich also nicht erwarten, dass es gleich von Anfang an Action am laufenden Band gibt. Diese Story benötigt Zeit und das ist auch gut so.

"Wer Morphenox einnahm, brauchte keine Gottheit mehr, die sich in die Träume mischte und über den Schlaf wachte;
die Droge hatte Gott überflüssig gemacht.
Die Heiligenverehrung war vom Spirituellen auf das Pharmazeutische übergegangen...."
(S. 222)

Es wird aus der Sicht von Charlie erzählt und dieser erzählt uns seine Geschichte. Durch ihn lernen wir langsam diese komplexe Welt kennen - wie sie funktioniert, sowie die verschiedenen Charaktere.
Jedes Kapitel wird durch Auszüge aus Hand- und Geschichtsbüchern eingeleitet und Charlie verwendet auch Fußnoten, um etwas näher zu erklären oder auf etwas hinzuweisen. Dies gestaltet sich jedoch in keinster Weise langweilig, was am flüssigen Schreib- und am packenden Erzählstil des Autors liegt.

Doch nicht nur die Story ist skurril und vielschichtig, auch die Charaktere weisen diese Eigenschaften auf, wobei der Autor nicht davor scheut so manche lieb gewonnene Figur über die Klinge springen zu lassen. Für überraschende Wendungen ist hier also ebenso gesorgt und ist nicht nur auf die Charaktere und deren Ableben beschränkt. Charlie ist alles andere als perfekt und stolpert regelrecht und vor allem meist ungewollt von einem Abenteuer in das nächste. Dabei muss er über sich selbst hinauswachsen, seine Ängste bekämpfen und vor allem darf er niemanden trauen. Wer hier auf der guten und wer auf der bösen Seite steht, bleibt hier nicht nur Charlie, sondern auch dem Leser lange unklar. Hier scheint nichts und niemand das zu sein was er vorgibt z u sein. Für welche Seite wird sich Charlie entscheiden?

Die Story beginnt zwar bedächtig, doch mit jeder gelesenen Seite taucht man tiefer in diese Welt ein, bis sie einen verschlingt, einem mit in die Kälte von Eis und Schnee zerrt und nicht mehr loslässt...bis man am Ende angelangt ist.

Fazit:
Mit diesem Buch hält man einen unglaublich packenden, wie auch interessanten Science-Fantasy in den Händen, der alle Eigenschaften besitzt, um mein erstes Jahreshighlight zu werden - komplex, mit viel Liebe zum Detail, abgefahren, vielschichtig und spannend. Diese Attribute weisen die Charaktere ebenso auf, wie auch die Story selbst.
Zudem regt diese verkehrte Welt doch auch zum Nachdenken an und am Ende ist diese Welt gar nicht so spiegelverkehrt wie man anfangs dachte.
Wer auf komplexe Fantasy steht, wird mit diesem Buch also mehr als gut bedient, denn es ist eine abgefahrene Story, die einem die Kälte in die Knochen kriechen lässt und nicht mehr loslässt.

© Pink Anemone
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